Schwäbisches

Die bayerisch-schwäbische Sprache

Die Mundart Bayerisch-Schwabens und damit auch unserer Gegend wird seit mehr als einem Jahrzehnt von der Universität Augsburg sprachwissenschaftlich erforscht. Das Ergebnis der Studien liegt in einem mehrbändigen Atlaswerk vor. Hier die bibliographischen Angaben: Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben, hrsg. von Werner König und Hans Wellmann, Heidelberg. Keine Angst! Sie brauchen jetzt nicht anfangen, Vokabeln zu büffeln. Es genügt unser folgender Sprachkurs:

Sprachkurs

Habergoißschlanke, großgewachsene Frau
Trutschele (das)nettes, molliges Mädchen
Trutschn (die)ungeschickte, träge Frau
Glufamichl (der)Pendant
Goggolore (der)extravaganter Mann
Grattler (der)alter Mann
Lalle (der)läppischer, töpelhafter Mann
Trieler (der)langweiliger, ungeschickter Mann
Schmätzle (das)Küsschen
Fiedla (das)das menschliche Gesäß
Grend (der)Kopf
Ranza (der)Bauch
Hemad (das)Hemd
Häs (das)Kleidung
Luse (die)Freizeit
Omuaß (die)Geschäftigkeit
Boiz (die)einfaches Wirtshaus
Semsakrebsler (der)   saurer Wein
ruaßladezent schnarchen
schnarchlaLautstarke schnarchen
gopfersprichdas heißt; damit will ich sagen
Stadtbutz (der)Günzburger Fasnachtsfigur
Jaaa verreck!!Ruf des Günzburger Stadtbuz
HoiAusruf des Erstaunens
Sapperlott!Standardfluch
Woisch?Haben Sie verstanden?

Audioguides

Ein schwäbisches Kauderwelsch

Zwölf angehende Abiturientinnen und Abiturienten des Dossenberger-Gymnasiums haben in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk, der Stiftung Zuhören und dem Institut für Deutsche Sprache in Mannheim ein Projekt durchgeführt, das den Sprachgebrauch der Menschen in Günzburg und in der Umgebung untersucht hat. Finanziert wurde das Projekt vom BR, dem Netzwerk bayerischer Städte stadt.geschichte.zukunft und durch eine Spende des Unternehmens AL-KO Fahrzeugtechnik.

Bauernleben in der Stadt

Unter der professionellen Anleitung von Dr. Georg Bayerle, Redakteur beim BR, wurden zentrale Orte angesteuert, die für das öffentliche Leben in Günzburg eine Rolle spielen. Aufnahmen entstanden so unter anderem auf dem Wochenmarkt, in Vereinen, beim ortsansässigen Einzelhandel und in türkischen Imbissbuden. Interviewt wurden außerdem Josef Weizenegger (†) von Historischen Verein in Günzburg und der ehemalige bayerische Innenminister Bruno Merk.

Wo der Schwab noch Schwäbisch spricht

Ziel des von Conrad Pietschmann im Rahmen des Deutschunterrichts angebotenen Projekt-Seminars war es, die Günzburger mit ihrer besonderen Form des Ostschwäbischen und mit ihren persönlichen Geschichten aufzunehmen.

Vereine und Feste

Außerdem galt es herauszufinden, welche Einstellung es zum Dialektsprechen gibt und ob sich das Gefühl bestätigen würde, dass der Dialekt insgesamt auf dem Rückzug ist.

Ein schwäbischer Ohrenschmaus

Wie die Aufnahmen zeigen, identifizieren sich die Günzburger stark mit ihrer schwäbischen Mentalität und ihrem Dialekt und sprechen ihn gern. Interessant waren in diesem Zusammenhang Interviews mit türkischstämmigen Migranten in Günzburg, die nach vielen Jahren das Günzburgerische inzwischen sehr authentisch angenommen haben.

Noch mehr Schwäbisches aus Günzburg

Untersuchen ließen sich auch die feinen Nuancen zwischen dem Günzburger und dem Augsburger Schwäbisch. Und natürlich wurden die Günzburger zu einschlägigen Schimpfwörtern oder anderem ausgefallenem schwäbischem Vokabular befragt.

Streifzug durch Günzburg

Nach Aussage von Dr. Georg Bayerle, der den Schülern auch bei den abschließenden Arbeiten in den Tonstudios des Bayerischen Rundfunks in München beratend zur Seite stand, bezog das Projekt seinen besonderen Reiz daher, dass die Schüler mit einem großen Instinkt für interessante Situationen Menschen aus verschiedenen Milieus dokumentiert haben. Dadurch seien sehr unterhaltsame und aufschlussreiche Feldstudien zur gelebten schwäbischen Sprachkultur entstanden.

Gespräch mit Ralf Knöbl

Am Ende des einjährigen Projekts stand die abschließende sprachwissenschaftliche Analyse der Aufnahmen, für die Dr. Ralf Knöbl vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim (IDS) an das Dossenberger-Gymnasium kam und den Schülern auffälligen Sprachgebrauch linguistisch erläuterte. Dabei stellte sich heraus, dass in Günzburg – wie an anderen Orten in Deutschland auch – der Dialekt durch regionale Ausgleichsformen und eine insgesamt erkennbare Tendenz zur Verwendung standardnäherer Formen einem Wandel unterworfen ist. Zur Sprache kam dabei auch das Prestigeproblem, das Schwäbisch-Sprechen vor allem bei jungen Menschen hat und das ebenfalls ein Grund für den Trend zu einer stärker dem Standard angenäherten Ausdrucksweise ist.

Zu guter Letzt

Durch die lang andauernde Beschäftigung mit dem Thema Dialekt und die vielen Interviews fand auch bei den Schülern eine intensive Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Sprachgebrauch statt. Die Zusammenfassung von Timo Sittenberger kann stellvertretend für die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler im Verlauf des Projekts stehen: „Ich denke, dass ich in Zukunft ein bisschen genauer hinhören werde, wenn jemand Dialekt spricht. Das Projekt hat mich dafür sensibilisiert.“