Die Stadtteile stellen sich vor

Von Deffingen bis Wasserburg: Günzburg und seine sieben Stadtteile

Der Eindruck von Günzburg wäre unvollständig ohne seine Stadtteile. Während sich die ehemals selbständige Gemeinde Nornheim bereits 1972 der Stadt Günzburg anschloss, wurden die anderen sechs Stadtteile Deffingen, Denzingen, Leinheim, Reisensburg, Riedhausen und Wasserburg im Zuge der Gebietsreform von 1978 in die Stadt Günzburg eingemeindet. Heute bilden sie zusammen die Große Kreisstadt Günzburg mit rund 19.500 Einwohnern.
Die Vertragsunterzeichnungen am 1. Mai 1978 waren für Günzburg ein Ereignis von herausragender Bedeutung. Nicht nur die Kernstadt profitierte vom neuen Zuschnitt des Stadtgebiets. Die Verbindung der hinzugewonnenen Stadtteile mit der regen Betriebsamkeit der Großen Kreisstadt war ein Vorteil für alle. Verkehrsfragen sowie Versorgungs- und Entsorgungsaufgaben konnten nun gemeinsam geregelt werden.
Auch wenn die Stadtteile in die Gemeinschaft der Stadt Günzburg eingebettet sind, haben sie dennoch ihren Charakter als selbständige Ortschaften erhalten. Ihre Dorfgeschichte soll nachfolgend kurz skizziert werden.

Deffingen

Als Zeuge der Zeit hat sich die Ulrichtskirche im Ortszentrum von Deffingen erhalten.

Deffingen liegt auf der Günztalterasse an der Autobahnausfahrt Günzburg und der Bundesstraße B 16. Urkundlich erwähnt wurde Deffingen erstmals im 12. und 13. Jahrhundert als Besitztum der Herren „de Tafingen“. Deren Burg stand auf dem Schlossberg am nördlichen Ortsrand, der jedoch 1839 abgetragen wurde. Die zum Berg führende Schlossgasse erinnert noch heute an die einstige Anlage, von der nur ein flacher Rundhügel mit Ringgraben übrig geblieben ist. Durch Kauf gelangte Deffingen im Jahr 1550 an die Stadt Günzburg. Als markantes Baudenkmal hat sich die Ulrichtskirche im Ortszentrum erhalten. Diese weist im Chor noch bauliche Spuren der späten Gotik auf. Bemerkenswert ist außerdem das Wappen-Epitaph des Pfarrers Michael Faber aus dem Jahr 1593.

Denzingen

Krokusse weisen im Frühling den Weg zur Filialkirche St. Anna in Denzingen.

Denzingen liegt südlich von Günzburg in dessen unmittelbarer Nachbarschaft und erstreckt sich vom Günztal bis hinauf auf die Höhe des Günztalrandes. Mit seinen neolithischen und römischen Siedlungsspuren gehört der Ort zum ältesten Siedlungsgebiet in der Umgebung der Stadt. Urkundlich erwähnt wurde Denzingen erstmals im 12. Jahrhundert, als der Kleriker Sigeboto von Günzburg eine Mühle zu „Tainzingen“ an das Kloster St. Ulrich und Afra zu Augsburg schenkte. Am 12. September 1944 erfolgte ein amerikanischer Bombenangriff auf Denzingen, bei dem 9 Menschen starben und zahlreiche Bewohner verwundet wurden. Als Baudenkmal hat sich die Filialkirche St. Anna erhalten, deren Bau vermutlich zurück ins späte Mittelalter reicht.

Leinheim

Leinheim liegt am Südhang des Ost-West-Einschnittes, den die Autobahn benutzt, um die Höhe zwischen Günz und Kammel zu überwinden. Zur Gemeinde gehört auch der nahe Nornheim gelegene Sonnenhof. Offensichtlich entstand der langgestreckte Ort aus mehreren Teilsiedlungen. Die Herrschaft über den Ort hatten im Mittelalter wahrscheinlich die Herren von Roth inne. Jedenfalls sind diese im 14. Jahrhundert mehrfach als „zu Leinheim“ gesessen beurkundet. 1458 gelangte Leinheim in den Besitz der Stadt Günzburg. Als Baudenkmäler haben sich die Kirche St. Blasius und das Schulhaus erhalten. Die Kirche wurde 1715 erbaut und 1955 letztmals renoviert. Das Schulhaus wurde 1820 errichtet und zuletzt 1950 erweitert. Vorher wurde vermutlich auf einem Hof unterrichtet, der den Hausnamen „beim Schulmeister“ führte.

Nornheim

Die Filialkirche St. Erhard aus dem Jahr 1631 ist das wichtigste historische Gebäude in Nornheim.

Nornheim liegt auf der fruchtbaren Höhe zwischen Günz und Kammel. Erstmals erwähnt wurde der heutige Stadtteil Günzburgs in einem päpstlichen Schutzbrief aus dem Jahr 1209. Darin wurde dem Kloster Ursberg der Besitz eines Gutes zu „Nordrunhain“ bestätigt. Das bedeutendste historische Gebäude ist die Filialkirche St. Erhard, die 1631 anstelle eines mittelalterlichen Vorgängerbaus aus dem 12. oder 13. Jahrhundert errichtet wurde. Aus der überraschend reichen Ausstattung sind vor allem ein Stuckaltar mit einem Gemälde des Günzburger Malers Franz Joseph Bernhard de la Pesterie von 1738 und eine spätgotische Muttergottesfigur aus dem dritten Viertel des 15. Jahrhundert bemerkenswert.

Reisensburg

Die Reisensburg ist das Wahrzeichen des gleichnamigen Stadtteils.

Reisensburg liegt in einem Talkessel am nordöstlichen Rand von Günzburg. Wahrzeichen des Ortes und des ganzen Landkreises ist die Reisensburg. Diese wurde im 6. Jahrhundert erstmals als Feste Rizinis erwähnt und galt den Alemannen als bedeutende Befestigung. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten zählen die Pfarrkirche St. Sixtus aus dem 18. Jahrhundert und der Kreuzberg (ehemals Kalvarienberg). 1747 wurde der Kreuzweg offiziell errichtet und eingeweiht und 1828 mit dem Bau der Kreuzbergkapelle abgeschlossen. Die städtischen Anlagen am Ortsrand wurden 1814 auf Anregung des Oberförsters Gottlieb von Greyerz angelegt. 1889 gelangte der Bürgerpark in den Besitz der Stadt Günzburg, die daraufhin protokollarisch festhielt, die Anlagen auch künftig zu erhalten.

Riedhausen

Das Vogelschutzgebiet in den Mooswaldseen in der Nähe von Riedhausen.

Riedhausen liegt 8,5 km nördlich von Günzburg nahe der württembergischen Grenze und inmitten des weiten Donaumooses mit seinen unzähligen Baggerseen. Spuren eines Burgstalls im Ort erinnern daran, dass Riedhausen im Mittelalter Sitz eines sich nach dem Ort nennenden ritterlichen Geschlechts („Riethusen“) war, das aber offenbar noch im 13. Jahrhundert seine Stammburg aufgab. Erst im 15. Jahrhundert ist die Ortsherrschaft wieder bekannt; damals teilten sich die Söhne des Ulmer Patriziers Hans Strölin d. Ä. die Güter zu Riedhausen. Wegen drückender Schuldenlast infolge des 30-jährigen Krieges standen die Untertanen zu Riedhausen mit der Gutsherrschaft seit 1675 in einem Pachtverhältnis, das bis 1921 bestand.

Wasserburg

Die Schule in Wasserburg gehört zu den wenigen Schulen im Landkreis, die sowohl eine Grund- als auch eine Mittelschule unter einem Dach vereinen.

Wasserburg liegt zwischen Günz und dem westlichem Talrand, entlang des Kötzer Wegs. Mit seinen Siedlungen wächst es im Südwesten auf die Höhe des Günztalrandes; im Norden verzahnt sich der Ort baulich mit Günzburg. Die namensgebende (Wasser-)Burg wurde im Mittelalter zwischen zwei Arme der Günz errichtet und soll 1465 auf Befehl Kaiser Friedrichs III. angezündet und dem Erdboden gleichgemacht worden sein. Nach mehrfachen Besitzerwechseln (u.a. Bürgermeister Christa Wall) ging Wasserburg 1719 an den Oberstjägermeister Johann Josef Freiherr von Imhof zu Untermeitingen. Dieser baute die bestehende Mühle zu einem freiadeligen Ansitz aus, ließ im Umfeld einige Wohnhäuser errichten und legte so den Grundstein für das heutige Dorf Wasserburg, das 1748 in den Besitz der Stadt Günzburg überging.