Beim Arbeitnehmerempfang verabschiedet sich Oberbürgermeister Jauernig mit einem Plädoyer für mehr Gerechtigkeit. Sein Nachfolger Michael Jahn rückt die Mitarbeiter in den Fokus.
Beim diesjährigen Arbeitnehmerempfang des DGBs in den Räumen der Sparkasse Schwaben-Bodensee setzte Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig ein starkes Zeichen für sozialen Zusammenhalt. In seiner Rede kurz vor dem Ende seiner 24-jährigen Amtszeit betonte er die Bedeutung der Gewerkschaften und mahnte dringende gesellschaftliche Reformen an.
Zu Beginn begrüßte Daniel Gastl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Schwaben-Bodensee, die Gäste und unterstrich die Tradition des Empfangs in den Räumen der Sparkasse. Im Anschluss gab der künftige Günzburger Oberbürgermeister Michael Jahn Einblicke in seine aktuelle Vorbereitungsphase auf das Amt. Michael Jahn betonte, dass er einen Monat lang alle Abteilungen im Rathaus persönlich besuchte, da die Mitarbeiter die entscheidende Basis für das Funktionieren der Stadt seien. „Vorgesetzte und Bürgermeister sind austauschbar, aber nicht die Mitarbeiter“, so Jahn. Er dankte den Gewerkschaften ausdrücklich für ihre harte und ehrliche Arbeit, die den sozialen Zusammenhalt stärke.
Der Abend war ein Moment mit historischer Note: Erstmals standen der amtierende Oberbürgermeister Gerhard Jauernig und sein designierter Nachfolger, Michael Jahn, gemeinsam auf der Bühne des DGB-Empfangs. Jauernig, der seit seinem 16. Lebensjahr überzeugtes Gewerkschaftsmitglied ist, nutzte seinen letzten Auftritt in dieser Funktion für einen Rückblick auf die Werte, die Günzburg prägen.
Besonders hob der Rathauschef die „liberale und warme Solidargemeinschaft“ der Stadt hervor, die sich insbesondere während des verheerenden Hochwassers vor zwei Jahren durch überparteiliche und mitmenschliche Hilfe ausgezeichnet habe. Günzburg stehe für Vielfalt und eine klare Kante gegen Extremismus, Hass und Ausgrenzung.
„Der 1. Mai ist kein folkloristischer Feiertag. Er ist ein Auftrag“, unterstrich Jauernig. „Soziale Gerechtigkeit fällt nicht vom Himmel, sie wird erkämpft.“ Angesichts globaler Krisen und steigender Lebenshaltungskosten kritisierte er die zunehmende Belastung von Rentnern, Alleinerziehenden und Familien. Deutliche Worte fand er zur Entgeltungleichheit: Dass Frauen im Jahr 2026 noch immer weniger verdienen als Männer, bezeichnete er als „schlicht nicht akzeptabel“. Ebenso erteilte er Plänen zur Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern in der gesetzlichen Krankenversicherung eine Absage; hier werde an der falschen Stelle gespart.
Ein emotionaler Höhepunkt war die Würdigung von Helga Springer-Gloning und Werner Gloning. Gerhard Jauernig bezeichnete beide als das „soziale Gewissen“ der Region, die seit Jahrzehnten unermüdlich für Arbeitnehmerrechte und gegen Diskriminierung streiten. Ihr Engagement sei geprägt von einer Ausdauer, die ihresgleichen suche. Als Zeichen der Anerkennung und persönlichen Verbundenheit überreichte er kleine Aufmerksamkeiten abseits des Protokolls – von roten Rosen bis hin zum „energiespendenden“ Wurstsalat.
Abschließend dankte Jauernig dem DGB und der Sparkasse Schwaben-Bodensee für die langjährige Partnerschaft. Es sei ihm eine Ehre gewesen, die Stadt über so viele Jahre führen und diesen Empfang gestalten zu dürfen. Sein Appell an die Gäste: „Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass Arbeit sicher, fair und wertgeschätzt bleibt.“
Der DGB-Kreisvorsitzende Werner Gloning nutzte den Abend für eine gewohnt scharfzüngige Analyse der aktuellen Arbeitsmarktpolitik. Er kritisierte die hohe Zahl unbezahlter Überstunden und trat der Erzählung von angeblich explodierenden Sozialstaatsausgaben entschieden entgegen. Mit Blick auf die Rentendiskussion und das Renteneintrittsalter forderte er politische Verlässlichkeit statt ständiger Verschärfungen. Glonings zentrale Forderungen für die Region blieben klar: Eine deutlich höhere Flächentarifbindung und der Ausbau der betrieblichen Mitbestimmung seien unerlässlich, um die Interessen der Arbeitnehmer wirksam zu schützen.