Ein langer Schatten

Umgang

Umgang mit der Vergangenheit

„So mancher [...] wird sich vielleicht fragen, warum das Thema Mengele nun noch einmal aufgewärmt werden muß. [...] Der Name Mengele war [...] durch die erfolgreiche Landmaschinenfabrik mit Günzburg eng verknüpft, lange bevor die Fahndung nach Josef Mengele den Günzburg-Mythos entstehen ließ. Auch wenn die Landmaschinenfabrik mittlerweile nicht mehr existiert und auch der Fall Mengele seit nunmehr fast zwanzig Jahren als abgeschlossen gelten kann, reicht diese Verknüpfung bis in die Gegenwart hinein. Wer durch die Stadt geht, findet eine Karl-Mengele-Straße [und eine Alois-Mengele-Straße]. Wer die Liste der Ehrenbürger durchsieht, stößt auf Karl und Alois Mengele; ein Kindergarten trägt den Namen Ruth Mengeles – um nur Beispiele zu nennen.

Der Name Mengele hat der Stadt immensen Schaden zugefügt; gleichzeitig aber tragen ihre größten Förderer diesen Namen und waren doch an der Beschädigung der Stadt unmittelbar beteiligt. Es ist nötig, sich dieser Problematik bewußt zu sein – auch wenn sie nicht ohne eine gewisse Tragik ist.

Die Günzburger werden sich jedenfalls damit abfinden müssen, daß sich immer wieder Menschen für Josef Mengele und damit auch für seine Heimatstadt interessieren werden, auch wenn die Stadt keine Verantwortung trägt für seine Taten. Die Verknüpfung der Stadt mit dem Namen Mengele ist eine Tatsache und als solche nicht mehr rückgängig zu machen. Dieses Interesse an Josef Mengele ist legitim und notwendig: Josef Mengele stammte aus einer „normalen“ Stadt. Er führte lange Zeit ein „normales“ Leben. Er hatte die besten Voraussetzungen. Dennoch wurde er aus freien Stücken, bewußt und im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte zum vielfachen, grausamen Mörder ohne jedes Mitgefühl. Dies ist erschreckend – die Frage nach dem „Warum?“ muß gestellt werden.

Die zeitgeschichtliche Forschung beschäftigt sich erst seit einigen Jahren mit der Frage, wie unter den politischen Bedingungen des nationalsozialistischen Regimes aus „ganz normalen Männern“ oder „ganz normalen Deutschen“ gnadenlose Vollstrecker einer mörderischen Ideologie werden konnten. Die seit Mitte der 90er Jahre intensiv betriebene „Täterforschung“ stößt auf größtes öffentliches Interesse, weil sie die alte Frage „Wie konnte es dazu kommen?“ neu aufwirft und Antworten danach in der Mitte der deutschen Gesellschaft sucht. Die Nazi-Verbrecher waren keineswegs alle hochideologisierte Nationalsozialisten, kalte Schreibtischtäter, brutale Schlägertypen oder gar Psychopathen. Ebensowenig kamen sie aus dem Nirgendwo; sie hatten ihre Heimat in Städten wie Hamburg, München, Augsburg oder eben Günzburg.

Dem muß man sich stellen, auch und gerade vor Ort. Genauso notwendig ist es dabei aber, Pauschalverurteilungen oder Legenden wie dem „Günzburg-Mythos“ entgegenzutreten, denn erst jenseits der Mythen stoßen wir auf die Fragen, an deren Beantwortung gearbeitet werden muß, wenn uns nicht eines Tages eine unselige Vergangenheit wieder einholen soll.“

Text: © Sven Keller, 2003
(= Epilog eines Vortrags von Sven Keller M.A. am 13.11.2003 im Forum am Hofgarten)
Homepage von Sven Keller: www.cellarius.de

Offenheit als Prinzip
Die „Augsburger Allgemeine“ und ihre Heimatzeitungen (dazu gehört auch die „Günzburger Zeitung“) haben das Erscheinen des Buches von Sven Keller und die sich daraus ergebende Diskussion kontinuierlich begleitet. Die seither in diesem Zusammenhang erschienenen Artikel sind im Folgenden als pdf-Dateien hinterlegt und abrufbar.

Für die Bereitstellung des Materials und die Erlaubnis der Wiedergabe dankt die Stadt Günzburg der Online-Redaktion der „Augsburger Allgemeinen“.

"Da wusste ich, es wird schlimm!"

Hugo Höllenreiner berichtet Schülern über seine Zeit in vier Konzentrationslagern.
Augsburger Allgemeine vom 20. Dezember 2012

Bunte Bilder voller Symbole

Besuch - Mehrfach ausgezeichnete polnische Autorin war zu Gast im Maria-Ward-Gymnasium in Günzburg
Günzburger Zeitung vom 21. Juli 2012, Nr. 167, S. 32

Zivilcourage in Zeiten des Terrors

Widerstand - Prof. Wolfgang Huber erklärt am Maria-Ward-Gymnasium in Günzburg,warum Mut und Verantwortung nicht nur zu NS-Zeiten wichtig waren.
Günzburger Zeitung vom 17. November 2011, Nr. 265, S. 32

"Blumen für den Führer"

Jugendbuchautor Jürgen Seidel las zum Thema „Jugend in der NS-Diktatur“

Mahnmal im Dossenbergerhof in Günzburg

Vorstellung des Mahnmals und seiner Entstehung
'informationen' Nr. 72, November 2010, 35. Jg., Rücktitel

Günzburg im Blick von Fernsehsendern

Kamerateam aus Argentinien auf den Spuren Josef Mengeles.
Günzburger Zeitung vom 31. Mai 2010, Nr. 122, S. 26

Rätsel um Brasiliens blonde Zwillinge

Geschichte - Forscher behauptet: KZ-Arzt Mengele machte Menschenversuche in einer Kleinstadt.
Günzburger Zeitung vom 28. Januar 2009, Nr. 22, S. 3

Die zentralen Fragen sind weiter aktuell

Aufführungen - Experimentelles Theater zeigt zweimal das Stück "Zündeln".
Günzburger Zeitung vom 28. Januar 2009, Nr. 22, S. 29

"In der Haut des Feindes überleben"

Zeitzeuge - Lebendige Geschichtsstunde am Maria-Ward-Gymnasium mit einem Mann, der als Hitlerjunge Salomon den Holocaust überlebte.
Günzburger Zeitung vom 3. Dezember 2008, Nr. 281, S. 30

Der Alptraum Konzentrationslager

Zeitgeschichte - 250 Zuschauer sehen im Günzburger Forum Simon Ritzlers Dokumentarfilm "Angelus mortis"
Günzburger Zeitung vom 15. März 2008, Nr. 64, S. 26

„Angelus mortis“ – der Todesengel Josef Mengele

„Angelus mortis“ - Filmvorführung am 13.03.2008, 19 Uhr im Forum am Hofgarten
Günzburger Zeitung vom 8. März 2008, Nr. 58, S. 26

Nominierung für Mengele-Film

Der junge Günzburger Filmemacher Simon Ritzler mit "Angelus Mortis"
Günzburger Zeitung vom 30. Oktober 2007, Nr. 250, S. 33

Zeitgeschichte spannend erzählt

Anja Tuckermann liest vor Gymnasiasten aus ihrem neuen Buch über Mengele-Opfer
Günzburger Zeitung vom 7. März 2007, Nr. 55, S. 30

„Den Opfern ein Gesicht geben“

Ausstellung "Anne Franks schwäbische Geschwister" dokumentiert die Judenverfolgung.
Günzburger Zeitung vom 19. November 2005, Nr. 267, S. 26

Der Tod war sein ständiger Begleiter

Zeitzeuge Franz Rosenbach und sein Kampf ums Leben, Überleben und Weiterleben.
Günzburger Zeitung vom 19. November 2005, Nr. 267, S. 26

Ein Mahnmal für die Opfer des KZ-Arztes Josef Mengele

Ma Nishma? - Was gibt's Neues? Nr. 53, August 2005

Gemeinschaftsaktion mit "Silberdistel" belohnt

Gymnasiasten erhalten Auszeichnung für Mengele-Mahnmal
Günzburger Zeitung vom 8. Juli 2005, Nr. 155, S. 19

Gratulation zur Verleihung der „Silberdistel“

Ansprache von Oberbürgermeister Gerhard Jauernig am 7. Juli 2005 im Stadtarchiv.

Augenblicke der Erinnerung

Günzburger Gymnasiasten erhalten die Silberdistel für die Gestaltung eines Mahnmals
Günzburger Zeitung vom 28. Juni 2005, Nr. 146, S. 3

Die entwaffnende Güte des "Mengele-Zwillings"

Eva Mozes Kor und ihr erschütternder Vortrag;
Günzburger Zeitung vom 16. Juni 2005, Nr. 136, S. 16

An Eindringlichkeit nicht zu überbieten

Mengele-Opfer Hugo Höllenreiner spricht vor Gymnasiasten;
Günzburger Zeitung vom 14. Juni 2005, Nr. 134, S. 18

Die Hölle von Auschwitz überlebt

Eva Mozes Kor heute im Maria-Ward-Gymnasium;
Günzburger Zeitung vom 14. Juni 2005, Nr. 134, S. 17

174 Augen haben jetzt eine Widmung

Stadt bringt Info-Tafel am Mengele-Mahnmal an;
Günzburger Zeitung vom 10. Juni 2005, Nr. 131, S. 29

Mengele-Opfer hat Tätern vergeben

Eva Mozes Kor ... im Günzburger Maria-Ward-Gymnasium;
Günzburger Zeitung vom 9. Juni 2005, Nr. 130, S. 25

Vortrag fällt aus

Experimentelles Theater spielt trotzdem Mengele-Stück
Günzburg Zeitung vom 4. Juni 2005, Nr. 126, S. 26

"Zündeln" und Diskutieren

Mengele-Opfer besucht Stück des Experimentellen Theaters;
Günzburger Zeitung vom 1. Juni 2005, Nr. 123, S. 24

Volkshochschule Günzburg

Programmheft Herbst 2005 (Titelseite)

Mengele-Opfer sucht Gespräch mit Günzburgern

Eva Mozes Kor zu Gast im Maria-Ward-Gymnasium;
Günzburger Zeitung vom 25. Mai 2005, Nr. 118, S. 29

"Zu vage" - Leserbrief von Hermine Lang

Zum Artikel "Das ist schon enttäuschend...." in der GZ vom 3. Mai 2005;
Günzburger Zeitung vom 18. Mai 2005, Nr. 112, S. 34

Das ist schon enttäuschend...

Mahnmal für Mengele-Opfer: Kaum Spenden der Bevölkerung - Stadt bleibt auf Kosten sitzen
Günzburger Zeitung vom 3. Mai 2005, Nr. 101, S. 28

Günzburger enttäuschen

Kaum Spenden für Erinnerung an Mengele-Opfer
Günzburger Zeitung vom 3. Mai 2005, Nr. 101, S. 5

Mahnmal erinnert an die Opfer Mengeles

Günzburger Zeitung vom 9. März 2005, Nr. 56, S. 1

Augen-Blicke des Erinnerns

Günzburger Zeitung vom 9. März 2005, Nr. 56, S. 31

Pressemitteilung der Stadt Günzburg zur Enthüllung des Mahnmals

vom 8. März 2005

Enthüllung des Mahnmals für die Opfer von KZ-Arzt Josef Mengele

Ansprache des Oberbürgermeisters vom 8. März 2005

Viel Klezmermusik und ein Mahnmal in Günzburg

Günzburger Zeitung vom 4. März 2005, Nr. 52, S. 5

Opfer Mengeles bleiben im Blickfeld

Günzburger Zeitung vom 4. März 2005, Nr. 52, S. 21

Schülerinnen sammeln Spenden für Gedenktafel

Günzburger Zeitung vom 11. Dezember 2004, Nr. 288, S. 32

Erinnerungsarbeit - Leserbrief von Sven Keller

Zum Artikel "Schüler gestalten Mahnmal für Mengele-Opfer" in der GZ vom 17. November 2004;
Günzburger Zeitung vom 26. November 2004, Nr. 275, S. 20

Augen erinnern an die Verbrechen von Josef Mengele

Günzburger Zeitung vom 26. November 2004, Nr. 275, S. 20

Mahnmal für Mengele-Opfer: Spender gesucht

Stadt bittet Bürger um finanzielle Unterstützung
Günzburger Zeitung vom 19. November 2004, Nr. 269, S. 25

Günzburger Schüler gestalten Mahnmal für Mengele-Opfer

Augsburger Allgemeine vom 17. November 2004, Nr. 267, Seite 4

Gymnasiasten gestalten Mahntafel für die Mengele-Opfer

Günzburger Zeitung vom 17. November 2004, Nr. 267, S. 29

Eine außergewöhnliche Gratwanderung

Kommentar von Alf Geiger
Günzburger Zeitung vom 17. November 2004, Nr. 267, S. 2

Gymnastiasten gestalten Gedenktafel

Erinnerung an die Opfer des KZ-Arztes Josef Mengele
Günzburger Zeitung vom 11. November 2004, Nr. 262, S. 25

Gedenktafel kommt in den Dossenbergerhof

Standort für die Erinnerung an Mengele-Opfer gefunden
Günzburger Zeitung vom 18. Februar 2004, Nr. 40, S. 23

Weiter Debatte um Mengele-Film

OB Jauernig protestiert bei Spiegel-TV
Mittelschwäbische Nachrichten vom 3. Februar 2004, Nr. 27, S. 20

Umstrittener Mengele-Film wieder im TV

Spiegel TV strahlt heute Abend Bericht von 1995 aus, den Günzburgs Alt-OB Köppler schon mehrfach als falsch kritisierte
Günzburger Zeitung vom 30. Januar 2004, Nr. 24, S. 16

Gedenken an Mengeles Opfer

Erinnerungstafel kommt - Grundsatzbeschluss im Günzburger Stadtrat
Günzburger Zeitung vom 10. Dezember 2003, Nr. 284, S. 21

Günzburg gedenkt Opfer des KZ-Arztes Mengele

Mahntafel geplant - Diskussion nach Buchveröffentlichung
Augsburger Allgemeine vom 10. Dezember 2003, Nr. 284, S. 4

"Stadt kann stolz sein auf diese Vergangenheitsbewältigung"

Gedenktafel für Mengele-Opfer: DGB unterstützt Vorschlag
Günzburger Zeitung vom 26. November 2003, Nr. 272, S. 24

Mahntafel würde wichtige Akzente setzen

Wochennachlese von Alfred Schmidt
Günzburger Zeitung vom 22. November 2003, Nr. 269, S. 27

"Auch die Stadt war Opfer der Täuschung"

Buchautor Sven Keller stellt vor großem Publikum im Forum am Hofgarten sein Buch "Günzburg und der Fall Josef Mengele" vor
Mittelschwäbische Nachrichten vom 19. November 2003, Nr. 266, S. 26

"Tendenziös und unseriös"

Fernseh-Beitrag über das neu erschienene Mengele-Buch sorgt in der Kreisstadt für Entrüstung
Mittelschwäbische Nachrichten vom 19. November 2003, Nr. 266, S. 26

Günzburg muss weiter zu Schattenseiten stehen

Kommentar von Rebekka Jakob
Mittelschwäbische Nachrichten vom 19. November 2003, Nr. 266, S. 26

"Auch die Stadt war Opfer der Täuschung"

Buchautor Sven Keller stellt vor großem Publikum sein Buch "Günzburg und der Fall Josef Mengele" vor
Günzburger Zeitung vom 15. November 2003, Nr. 263, S. 25

Hochkarätiges Podium diskutierte den Fall Mengele

Gesprächsrunde mit Völklein, Köppler, Zofka und Keller
Günzburger Zeitung vom 15. November 2003, Nr. 263, S. 25

Geheimnis einer Stadt

Günzburg und die Jagd nach dem NS-Verbrecher Josef Mengele
Augsburger Allgemeine vom 28. Oktober 2003, Nr. 248, S. 6

Mengele und der "Günzburg-Mythos"

Buchautor Sven Keller über den NS-Massenmörder und hartnäckige Verschwörungstheorien in dessen Heimatstadt
Günzburger Zeitung vom 4. Oktober 2003, Nr. 228, S. 37

Christliche Nächstenliebe als "reine Ketzerei"

Vortrag Die „Politische Religion“ der Nazis.Schülerinnen sollen sich Weiße Rose alsWiderstandsgruppe zum Vorbild nehmen.
Günzburger Zeitung vom 26. April 2013, Nr. 97, Seite 28