Biodiversität ist Pflicht nicht Kür

Eine blühende Magerrasenfläche am Ortseingang von Nornheim… Foto: Christine Hengeler/ Stadt Günzburg
Eine blühende Magerrasenfläche am Ortseingang von Nornheim… Foto: Christine Hengeler/ Stadt Günzburg
…und am Ende der Blüte „Am mittleren Stadtbach“ Foto: Christine Hengeler/ Stadt Günzburg
…und am Ende der Blüte „Am mittleren Stadtbach“ Foto: Christine Hengeler/ Stadt Günzburg
Hier erfreut eine farbenprächtige Blumenwiese im Kötzer Weg. Foto: Julia Ehrlich/ Stadt Günzburg
Hier erfreut eine farbenprächtige Blumenwiese im Kötzer Weg. Foto: Julia Ehrlich/ Stadt Günzburg

Die Stadt Günzburg zieht Zwischenbilanz

Zurzeit läuft die Eintragungsfrist für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Grund genug, auch im städtischen Grün der Stadt Günzburg Zwischenbilanz zu ziehen.

„Naturschutz ist eine gesellschaftliche Aufgabe, hier sind alle gefordert, sich einzubringen, ob mit einer kleinen Nisthilfe auf dem Balkon oder mit einem naturnah bewirtschafteten Garten. Wir neigen dazu, den Schwarzen Peter hin- und herzuschieben, müssen aber als Gesellschaft einsehen, dass von uns allen ein Beitrag zum Artenschutz zu leisten ist“, gibt sich der Günzburger Oberbürgermeister Gerhard Jauernig überzeugt. „Es ist niemandem geholfen, mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, wichtig ist, was wir, was jeder einzelne beiträgt. Auch der kleinste Beitrag ist mehr als nichts!“

Ein paar Beispiele, die in Günzburg in den letzten Jahren umgesetzt wurden, verdeutlichen, welche Möglichkeiten im öffentlichen Grün stecken: So wurde „Am mittleren Stadtbach“ die „Königsfläche“ zwischen Radweg und Straße auf dem Tunnel mit Blumenzwiebeln bestückt, die vom zeitigen Frühjahr weg bis Juni blühen. Danach übernehmen die Arten der Blumenwiese die Regie und sorgen so für ein stets vorhandenes Nahrungsangebot; gemäht wird ein- bis zweimal im Jahr. Wichtig ist, dass auch Zeit für das Abblühen und Reifen der Samen ist.

Ähnlich wird der Kreisverkehr beim Bahnhof/an der B16 gepflegt: die Zwiebel der Lilien begeistern die Verkehrsteilnehmer, dienen als Insektenbuffet und werden nach der Blüte von einer mageren Blumenwiese abgelöst. So ist der Tisch immer noch gedeckt.

Eine sehr insektenfreundliche Kombination ist natürlich Obstbaum und Blumenwiese, so in Deffingen an der Nordstraße oder am Ortseingang von Nornheim verwirklicht. Hier dürfen auch mal Brennnesseln wachsen, die verschiedenen Arten sind übrigens Nahrungspflanze für ungefähr 50 Schmetterlingsarten.

Herrlich fürs Auge sind auch die vielen Schotterrasen- oder Magerrasenflächen, die immer mal wieder am Rande von Fahrbahnen oder Radwegen angelegt wurden: oft mit Frühjahrsblühern wie Blaustern, Krokus und Narzisse, die die Vorspeise bilden und dann im Laufe des Jahres von vielen heimischen Arten abgelöst werden.

Einen weiteren Aspekt des öffentlichen Grüns bilden die Parkanlagen: „Unser Ziel ist den alten Baumbestand so zu pflegen, dass er uns lange erhalten bleibt“, so Stadtbaumeister Georg Dietze „nur wenn die Verkehrssicherungspflicht dagegen steht müssen wir eingreifen“. Bietet doch eine alte Eiche Unterschlupf für Hunderte von Insekten- und Käferarten und ist – auch wenn jeder von Ersatzpflanzung spricht – nicht so schnell zu ersetzen.

Bleiben noch die städtischen Flächen an den Schulen, wo seit Jahren im Rahmen des Agenda-Diploms im Modul ‚Lebensraum gestalten‘ ökologische Elemente eingebracht werden: von Schmetterlingsbeeten über Insektennisthilfen, Vogel- und Fledermauskästen, die die Schüler mit Barbara Dippel basteln und aufhängen, wird an geeigneten Stellen im Schulgelände oder im Umfeld ein Angebot für die Tierwelt geschaffen. So konnte die Grundschule Südost vor einigen Jahren über ein Lions-Projekt in 2013 eine herrliche Blumenwiese anlegen. Fürs Wohnen wurde auch gesorgt, denn Besucher sind gleich daneben im Insektenhotel untergebracht, das im Jahr darauf von den Schülern aufgebaut und gefüllt wurde.

Das jüngste Projekt spielte sich an der Maria-Theresia-Mittelschule ab: 2018 wurden die dort vorhandenen Ziersträucher der Kategorie ‚steriles Grün‘ entfernt und mit Beerenobst, Kräutern und Strauchobst ersetzt. Essbar und wertvoll für die Insekten und – was nicht von den Schülern geerntet wird – auch mal von Vögeln.

„Unser Resümee: viele gelungene Projekte dank dem Engagement vieler Mitarbeiter. Wir sind in der Stadt Günzburg auf dem richtigen Weg, aber um beim Thema zu bleiben, wir sehen es als Pflichtprogramm und werden noch viele kleine und größere Projekte auf den Weg bringen“, kündigt der Oberbürgermeister an.