Günzburg ist jetzt offiziell als „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“ ausgezeichnet
Großer Erfolg am 4. Februar 2026 für die Mobilitätswende in Günzburg: Im Rahmen eines Festakts in der Münchner „Scholastika“ verlieh Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter der Großen Kreisstadt offiziell den Titel „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“. Besonders beeindruckend: Während Kommunen bis zu vier Jahre Zeit haben, um die strengen Kriterien des Prüfverfahrens zu erfüllen, gelang es Günzburg innerhalb von nur drei Jahren, die Expertenjury zu überzeugen.
Das Gremium bewertete unter anderem die bauliche Neugestaltung der Kreuzung Ichenhauser Straße/Krankenhausstraße sowie neue Serviceangebote wie die über die Stadt verteilten Fahrradservicestationen und Fahrradanlehnbügel als vorbildlich. Oberbürgermeister Gerhard Jauernig nahm die Auszeichnung gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung entgegen und sagte: „Dieser Titel ist eine Bestätigung für unseren Weg, Günzburg noch lebenswerter und sicherer zu machen. Eine attraktive Rad-Infrastruktur ist kein Selbstzweck, sondern ein Baustein für moderne Mobilität direkt vor unserer Haustür.“
Die Auszeichnung basiert auf einem einheitlichen Kriterienkatalog, der neben der Infrastruktur auch Service und Kommunikation bewertet. Positiv hervorgehoben für Günzburg wurden neben den Reparaturworkshops in Kooperation mit der Volkshochschule auch bürgernahe Kampagnen wie die „Brezeltütenaktion“ zur Eröffnung der ersten Fahrradstraße und die vielfältige Öffentlichkeitsarbeit.
Günzburgs Stadtbaumeister Georg Dietze hebt die strategische Infrastrukturplanung hervor und sagt: „Wir haben in den vergangenen Jahren gezielt an neuralgischen Punkten gearbeitet. Die Auszeichnung zeigt, dass wir mit der Kombination aus baulicher Sicherheit und funktionalen Details wie neuen Fahrradbügeln den richtigen Standard für die Zukunft setzen.“
Die Auszeichnung ist für die Stadt jedoch kein Grund, sich auszuruhen. Nach sieben Jahren steht eine Re-Zertifizierung an, bei der weitere Fortschritte nachgewiesen werden müssen. Daniela Fischer, Radverkehrsbeauftragte der Stadt Günzburg, blickt motiviert nach vorne: „Der Titel ‚Fahrradfreundlich‘ ist für uns Verpflichtung und Ansporn zugleich. Wir werden das Netz weiter knüpfen und im engen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern daran arbeiten, das Radfahren im Alltag noch selbstverständlicher zu machen.“
Die AGFK Bayern ist ein Netzwerk aus inzwischen 143 Städten, Gemeinden und Landkreisen, die mehr als acht Millionen Menschen vertreten. Ziel ist es, Synergien zu nutzen und den Radverkehr bayernweit durch Erfahrungsaustausch und gemeinsame Standards zu stärken. In München wurden neben Günzburg elf weitere Kommunen ausgezeichnet, insgesamt tragen den Titel „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“ damit inzwischen 90 Kommunen in Bayern. Fünf Kommunen erhielten zudem eine Re-Zertifizierungs-Urkunde und eine Stadt sowie ein Landkreis konnten als neue Mitgliedskommunen in den Verein aufgenommen werden.
Der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter sagte in seiner Begrüßungsansprache: „Ein starker Radverkehr ist ein wichtiger Baustein für eine lebenswerte Heimat. Entscheidend ist dafür eine attraktive Infrastruktur. Die AGFK und ihre Kommunen leisten dabei einen wichtigen Beitrag: Zwölf Städte und Gemeinden werden heute neu ausgezeichnet. Ihr Engagement macht Radfahren in Bayern sicherer und attraktiver und ist ein Vorbild für ganz Bayern.“
Die Festveranstaltung ist einer der Höhepunkte im Vereinsjahr der AGFK Bayern, würdigt sie nicht nur Erreichtes, sondern motiviert für die weiteren Schritte in der Radverkehrsförderung. „Die heute ausgezeichneten Kommunen zeigen eindrucksvoll, wie erfolgreich Radverkehrsförderung sein kann, wenn Engagement, Fachwissen und Zusammenarbeit zusammenkommen“, so Robert Niedergesäß, Vorsitzender der AGFK Bayern in seinem Grußwort.
Günzburg wird Fahrradstadt 2025
Die Stadt Günzburg setzt sich das Ziel, „Fahrradstadt 2025“ zu werden.
Warum Fahrradstadt?
„Das Mobilitätskonzept von morgen ist vielschichtig. Aber bereits heute ebnen wir ihm den Weg“, sagt Oberbürgermeister Gerhard Jauernig. Gemeint ist damit: zugunsten der Umwelt muss dringend der Individualverkehr per Auto reduziert werden. Der Verzicht auf den PKW gelingt allerdings nur dann, wenn die Politik Alternativen schafft.
Die Große Kreisstadt Günzburg ist hier bereits aktiv. Schwabenweit führend ist die Anzahl der Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge mit 32 Ladepunkten im Stadtgebiet. Ein Elektro-Stadtbus ergänzt das Portfolio im Öffentlichen Personennahverkehr. „Das Prinzip ist einfach. Ein Fahrzeug, in welchem 30 Menschen Platz finden, benötigt deutlich weniger Platz und verströmt deutlich weniger Emissionen als 30 Fahrzeuge mit jeweils nur einer Person“, erklärt Oberbürgermeister Jauernig, der sich in den kommunalen Spitzenverbänden für den Ausbau des ÖPNVs einsetzt.
Ein weiteres Verkehrsmittel erfährt nun in Günzburg eine starke Förderung: das Fahrrad. Es ist ideal geeignet für eine Stadt der kurzen Wege, umweltfreundlich und platzsparend. Bis 2025 wird Günzburg zu einer Fahrradstadt ausgebaut.
Wie Fahrradstadt?
„Gemeinsam mit dem "Institut für innovative Städte", mit Bürgerinnen und Bürgern, dem Stadtrat sowie der Stadtverwaltung haben wir ein individuell zugeschnittenes Radverkehrskonzept für unsere Stadt erstellt. Dieses fasst eine Vielzahl von Maßnahmen zusammen, um Radfahren in Günzburg noch sicherer und attraktiver zu machen“, so Jauernig. Das Radverkehrskonzept wurde im Juni 2021 vom Stadtrat verabschiedet. Bestandteile des Radverkehrskonzeptes sind:
- Ein ausführlicher Bericht mit Empfehlungen, wie Günzburg Fahrradstadt wird
- Ein durchgehender, zusammenhängender Netzplan
- Eine Maßnahmenliste mit baulichen Veränderungen
- Eine „Hygge“-Maßnahmenliste, die das Radfahren in Günzburg komfortabler macht
„Egal ob mit 8 oder 88 Jahren – 2025 soll jeder in Günzburg sicher, bequem, einfach und gerne radeln können. Das ist unser Ziel. Gehen oder radeln Sie diesen spannenden Weg mit uns mit“, sagt Oberbürgermeister Gerhard Jauernig.
Günzburg wird Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen in Bayern
Am 18. Juli 2022 wurde die Stadt Günzburg im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung zum 10-jährigen Bestehen der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V. (AGFK-BY) in München feierlich in die Arbeitsgemeinschaft aufgenommen.
In der AGFK-BY haben sich derzeit 108 bayerische Kommunen mit insgesamt über 6,6 Millionen Einwohnenden mit dem Ziel zusammengeschlossen, gemeinsam den Radverkehr zu fördern, Erfahrungen auszutauschen und Synergieeffekte zu nutzen. Die AGFK Bayern vertritt die Interessen ihrer Mitglieder im Radverkehrsbereich unter anderem in der Landes- und Bundespolitik und bei kommunalen Spitzenverbänden. Dazu zählen sowohl die Förderung einer radverkehrsfreundlichen Mobilitätskultur als auch der Ausbau von Radrouten und die Erhöhung der Sicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer. Alle Mitglieder werden nach einem Kriterienkatalog auf ihre Fahrradfreundlichkeit geprüft.
Am 27. April dieses Jahres fand die „Vorbereisung“ durch die AGFK-BY in Günzburg statt – dies ist der erste Schritt des zweistufigen Aufnahmeverfahrens. Diese Vorbereisung besteht aus einem „theoretischen“ Teil, in dem sich die Kommune mit ihrem Stand und den Maßnahmen betreffend der Stärkung des Radverkehrs präsentiert sowie eine praktische Erkundung per Fahrrad. Das Ergebnis der positiven Bewertung durch die Bereisungskommission war die Aufnahme der Stadt Günzburg in die AGFK-BY.
Die Stadt hat nun maximal vier Jahre Zeit, die Handlungsempfehlungen der AGFK und weitere Maßnahmen aus dem Radverkehrskonzept umzusetzen, um sich bei der „Hauptbereisung“ als „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“ zertifizieren zu lassen.