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3. Kunstpreis der Stadt Günzburg 2019

„Alltägliches“ ist das Leitthema der Ausschreibung des 3. Kunstpreises. Rund 600 Werke wurden der Jury eingereicht, aus denen die Preisträger sowie die Teilnehmer der Ausstellung ausgewählt wurden. Die Ausstellung „Alltägliches“ im Amtsgericht Günzburg zeigte vom 25.5 – 11.11.2019 75 Arbeiten von 76 Künstlern.

Preisträger

1. Preis: Xenia Hartok, München
2. Preis: Dietrich Moravec, Burgau
3. Preis: Myrah Adams, Neu-Ulm
4. Preis: Stefanie Siering, Ulm

Jury

  • Karen Steifensand, 1. Vorsitzende Kunstverein Off-Art
  • Susanne Pögl-Aßfalg, 2. Vorsitzende Kunstverein Off-Art
  • Karin Scheuermann, Kulturamtsleiterin Stadt Günzburg
  • Nikolaus Kugelmann, Gymnasialkunsterzieher Dossenberger Gymnasium
  • Theo Krötzinger, Gymnasialkunsterzieher St. Thomas Gymnasium Wettenhausen
  • Birgit Rembold, Gymnasialkunsterzieherin Dossenberger Gymnasium
  • Stefan Baisch, Stadtrat
Die Preisträger des 3. Kunstpreises der Stadt Günzburg. Foto: Gertrud Adlassnig/ Günzburger Zeitung

Die Preisträger des 3. Kunstpreises der Stadt Günzburg. Foto: Gertrud Adlassnig/ Günzburger Zeitung


1. Laudatio von Karin Scheuermann, Kulturamtsleiterin Stadt Günzburg

Stefanie Sierings Werke zu ergründen ist nicht einfach. Die in Ulm lebende Künstlerin, die Illustration und freie Malerei studiert und als Kunsttherapeutin gearbeitet hat, legt in ihren sehr reduzierten Arbeiten Fährten und Spuren, die wir als Betrachter nur bedingt entziffern können.

Ein außerordentliches Beispiel für das Schaffen der Künstlerin ist das Werk „Gedächtnisspuren“, das wir in der heutigen Ausstellung sehen. Es besteht aus 18 kleinen Bildern, bei denen Stefanie Siering verschiedene Techniken – Zeichnung, Druckgraphik oder Ritzungen – einsetzt.

Wie in einer filmischen Nahaufnahme legt die Künstlerin in jedem Bild das Augenmerk auf eine alltägliche Verrichtung. Wir sehen beispielsweise einen Jungen mit Springseil, verschiedene Körper in Bewegung, ein Paar Hand in Hand oder Hände, die ausdrucksstark gestikulieren.

Jedes Bild ist mit einer Uhrzeit versehen, sodass wir die Chronologie eines Tagesablaufs zu erkennen meinen und automatisch nach Zusammenhängen zwischen den einzelnen 18 Bildern suchen.

Stefanie Siering deutet hier Geschichten an, erzählt sie aber nicht. Die Figuren blieben schemenhaft, ohne Gesicht oder individuelle Merkmale. Die Räume sind undefiniert, die Figuren scheinen in ihnen zu schweben.

Die Künstlerin zeigt in „Gedächtnisspuren“, wie auch in vielen weiteren Werken, Momentaufnahmen, die uns vertraut erscheinen aber unscharf bleiben. Traumsequenzen, Spuren der Erinnerung, die aus dem hintersten Winkel des Gedächtnisses kurz aufblitzen, aber nicht mehr greifbar sind. Das einst „Alltägliche“ erscheint zugleich vertraut und fremd.

Dieser Eindruck wird durch die technische Beschaffenheit der Arbeiten verstärkt. Die Bilder sind farblich „gedämpft“, als würde ein Schleier über ihnen liegen. Eindringlich gestaltet Stefanie Siering mit Zeichnung und Drucktechniken die zarten Werke; jede Linie ist pointiert, kein Strich zu viel, mit sparsamen Mitteln erzielt die Künstlerin höchste Ausdruckskraft.

Die Jury würdigt den ganz eigenen Kosmos von Erinnerung und Gegenwart, den die Künstlerin in ihrem Werk mit virtuoser Handschrift erschafft.



2. Laudatio von Nikolaus Kugelmann, Gymnasialkunsterzieher

Teebeutel? Das wird im Titel dieser Arbeit erwähnt. Ausgerechnet. Als ob es kein besseres Sujet gäbe. Na gut, das Thema der Ausschreibung lautete „Alltägliches“. Aber dann gleich so alltäglich?

Weil uns die Künstlerin (Anm. der Red.: Myrah Adams) einen naturalistisch geprägten Zeichenstil präsentiert und die meisten von uns im Leben bereits mit Tee, der in Teebeuteln verpackt wurde, zu tun hatten, wird das sowieso klar.

Zum Teebeutel greift man doch nur, wenn man krank ist. Irgendein kleingehäckseltes Zeugs in einem durchlässigen, aber wenig durchschaubaren Sack, von dem man glaubt, gesund zu werden.

Was ist denn an einem solchen Objekt überhaupt bildwürdig?

Über fünfzig Teebeutel erheben sich auf der 100 x 70 cm großen Buntstiftzeichnung „Teebeutelplantage“ von Myrah Adams von einer imaginären Hand nach oben gezogen aus ihren Behältnissen, in denen sie sozusagen gerade ihr Leben ausgehaucht haben. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass fast alle „sterbend“ einen akkurat nach unten gerichteten rötlichen Teestrahl zurück ins Teeglas strömen lassen, einige allerdings auch daneben. Genauso senkrecht wie der nach oben führende dürre Faden, der in die entgegengesetzte Richtung weist.

Kollateralschaden am Küchentisch. Noch nicht offenbar gewordene und nicht gezeigte Sauerei.

Nicht einmal darüber gibt uns die Künstlerin etwas preis. Wir sehen nur die oberen Enden der Teebehältnisse, die da in einer nicht ganz rhythmisch angeordneten Formation auf den Betrachter zumarschieren. Die dickwandigen, billigen und sehr robusten Trinkgläser, die wir alle irgendwo vereinzelt in unseren Küchenschränken finden? Die es überall nachzukaufen gibt, wenn man sie dann doch zerdeppert? Oder gar die weißen Plastikbecher zum Stapeln?

Nee, ich doch nicht, geht gar nicht! Soviel Umweltbewusstsein muss schon sein.

Die Stellfläche verschwindet hinter einer stattlichen Zahl von Teegläsern, die bis zum „Bildhorizont“ reicht. Und erst der Tee: Roter Tee, wahrscheinlich dieser ordentlich parfümierte aufdringliche Früchtetee mit Hibiskusblüten, der im Nachhinein neben einem schlechten Geschmack im Mund auch noch Sodbrennen erzeugt.

Nix mit Earl Grey und einer Spur echtem Bergamottöl!

Im oberen Bilddrittel blinken ein paar knallgelbe Teebeuteletiketten wie grafisch eingestreute Warndreiecke. Und die am oberen Bildrand merkwürdig angeordneten und zum Horizont gestaffelten Querstangen, an denen manche der Teebeutel befestigt sind …

Seltsam drapiertes Gestänge, Teebeutelgalgen, in denen die aus verschiedenen Ansichten gezeigten Beutel wie in einer Art Notenzeile schweben.

Teebeutelschwanengesang.

Das Bild hat irgendwie auch etwas von einer Auferstehungsszenerie. Alle auf einmal wie beim Jüngsten Gericht. Hier werden aber nur die Guten gezeigt, die es nach oben zieht. Die schlechten sind bereits mitsamt ihren gelben Etiketten im Glas ersoffen. Von ihnen erzählt uns die Künstlerin nichts mehr.

Teebeutelapokalypse, eine Auferstehungsszene wie bei El Greco.

Sie sehen, meine Damen und Herren, auch ein sperriges Thema kann ein gedankliches Feuerwerk entzünden. Und wenn es sich mit einer dermaßen gekonnt beherrschten Hand in einer exzellent ausgeführten grafischen Bildsprache zeigt, wird das Staunen und Hinterfragen beim Betrachter immer drängender. Hier tun sich surreale, aber auch ironische gedachte Abgründe auf, die uns ordentlich an dem zweifeln lassen, was sich da vor unseren Augen abspielt.

Und Sie werden staunen, was sich bei Ihnen zuhause bei der nächsten Tasse Tee abends am Küchentisch abspielt, wenn sie sich näher mit Myrah Adams Werk beschäftigt haben, der wir herzlich zum 3. Platz der diesjährigen Off-Art Kunstpreisverleihung 2019 gratulieren.



3. Laudatio von Rolf Eichelmann, Off-Art Mitglied

„Alltägliches“ lautet der Titel der diesjährigen Ausstellung von Off-Art. Meine Damen und Herren im Namen des Kunstvereins Off-Art möchte ich Sie heute begrüßen und einige Worte zu den Arbeiten von Dieter Moravec sagen. Dietrich Moravecs bevorzugtes Thema sind Stillleben, die er mit äußerster Präzision und handwerklichem Können ausführt. Folgerichtig hat er sich in seinem persönlichen Umfeld umgesehen und ist dort auch fündig geworden. Was liegt bei einem Maler auch näher als Malutensilien zu malen, die er jeden Tag benutzt? Auch Schuhe bzw. Stiefel sind bei jedem von uns jeden Tag in Gebrauch.

Und nun zum Bild mit dem Titel „Veteranen“

Das Wort Veteran (lateinisch veteranus) ist eine Bezeichnung für einen altgedienten Soldaten.

Im weiteren Sinne ist Veteran eine Bezeichnung für jemand, der sich beispielsweise in langer Dienstzeit bewährt hat. Genau das trifft auch auf das Bild von Dietrich Moravec „Veteranen“ zu. Drei Pinsel, die offensichtlich schon bessere Zeiten gesehen haben. Wieviel Farbe durch ihre Borsten geflossen ist, lässt sich nur erahnen. Bestimmt haben diese Pinsel viele Quadratmeter Fläche mit Farbe bedeckt, zum Schutz von Holzoberflächen zum Beispiel, aber auch zu deren dekorativer Gestaltung. Nun sind sie jedoch in die Jahre gekommen, häufiger Gebrauch und mangelnde Pflege haben deutliche Spuren hinterlassen. Die Pinselhaare oder -borsten sind verklebt und verkrustet und können ihren Zweck nicht mehr erfüllen. Die Metallzwingen und Holzgriffe sind durch die vielen vertockneten Farbschichten kaum noch erkennbar. Dennoch strahlen die drei Pinsel eine gewisse Würde und auch so etwas wie Stolz aus.

Obwohl sie nicht mehr verwendet werden können, hat jemand sie auf eine Art Podest gestellt, fast wie auf einem Altar, wie um zu zeigen, dass sie zu schade zum Wegwerfen sind und auf ihre Weise zur eine interessante Ästhetik beitragen. Dazu gehört auch der passende Hintergrund des Bildes.

Auf einer strukturierten Fläche, die mit Pinsel, Spachtel und Schwamm bearbeitet wurde, hat der Künstler mehrere lasierende Schichten Acrylfarbe in Orangetönen aufgetragen und so für einen lebendigen Kontrast zu den Pinseln geschaffen. Dazu möchte ich noch erwähnen das Dieter Moravec, einer der wenigen Künstler ist die ich kenne, die fast alle Malerische Techniken perfekt beherrscht.

Und nun zum zweiten Bild

Das zweite Bild von Dietrich Moravec, „Wegbegleiter“, zeigt ein Paar Wanderstiefel, die zwar Gebrauchsspuren aufweisen, aber durchaus noch ihre Funktion erfüllen können. Auch ein steiniger Weg kann einem mit solchen Stiefeln nichts anhaben.

 Die Sohlen und die Kappen sind zwar schon etwas abgenutzt, aber die Schäfte erscheinen fast wie neu. Das Oberleder glänzt noch, das innere Leder leuchtet in hellen Ockertönen, die Senkel scheinen sehr solide. Solchem Schuhwerk möchte man seine Füße gern anvertrauen. Irgendwie wirken sie wie gute, alte, verlässliche Freunde, mit denen man sich vertrauensvoll auf bekannte und unbekannte Wege machen kann. Mit beiden Füßen sicher auf der Erde kann man sich auch seiner Umgebung widmen und sie erkunden.



4. Laudatio von Theodor Krötzinger, Gymnasialkunsterzieher

„Alltägliches“ will man eigentlich nicht sehen, wenn man eine Ausstellung besucht, besonders wenn es um Bilderschau geht, bei der der Kunstpreis der Stadt Günzburg verliehen wird.

Dieser Kunstpreis ist doch für viele Künstlerinnen und Künstler auch aus größeren Entfernungen eine Herausforderung, bei dieser Veranstaltung mitzumachen.

Das Motto „Alltägliches“ mag Künstlern und Besuchern vielleicht kleine Schwellenängste nehmen, doch der Anspruch nach Besonderem sollte auf beiden Seiten überwiegen, wenn sie durch die Gänge des Amtsgerichtes wandeln, werden Sie erleben, dass es den Künstlern gelungen ist in vielfältigster Weise, sowohl bei den Inhalten als auch bei den kreativen Ausführungen, 75 Werke von hoher künstlerischer Qualität zu präsentieren.

Das Motiv auf den Bildern von Frau Xenia Hartok ist mehr als alltäglich. Einmal 3 und Einmal 2 Frauen vor neutralem Hintergrund. Junge Frauen, wie man sie beim Einkaufen in den Fussgängerzonen zu hunderten erleben kann. Nichts weist auf eine besondere Situation hin. Sie tragen Sonnenbrillen, aber sie haben keinen besonderen Schmuck, keine besonderen Frisuren, keine Handtaschen, sie sind sogar nur bis zur Hälfte, bis zur Hüfte dargestellt.

Der Hintergrund ist neutral, keine Schaufensterauslagen, keine Plakate, nichts, was auf ein besonderes Ereignis hinweisen könnte.

Warum malt man so ein Bild.

Man könnte an die Zeit von 1930 und 1940 denken, als in Europa Maler wie Dix oder Christian Schad und in Amerika Grant Wood oder vielleicht sogar Edward Hopper Figuren mit dieser frontalen Ausschließlichkeit malten, aber nie ohne Hinweise auf eine besondere soziale oder psychische Situation.

Die Bilder von Xenia Hartok die 1985 in Tjumen in Russland geboren ist und durch Studien an der Akademie in München bei Prof. Duberauer und der staatlichen Fachschule für Künste in Orenburg Russland, und durch zahlreiche Studienaufenthalte, ihr Handwerk gründlich gelernt hat und jetzt in München arbeitet.

Die Bilder sind auf den ersten Blick alltäglicher und mit geringerer Aussage und dann beschleicht einen das Gefühl, dass man etwas übersehen hat, dass mehr dahintersteckt. Man beginnt sich ganz intensiv mit dem Bild auseinanderzusetzen.

Hat es eine tiefere Bedeutung, wenn die Figuren vor einem gänzlich neutralen Hintergrund agieren, auf was weist uns die angespannte Mimik hin, in welcher Beziehung stehen die Personen zueinander? Die Gedanken sind frei, vielleicht ist es doch nur „Alltäglich“.

Aus dieser spannenden Herausforderung heraus und weil wir, die Jury, der Ansicht sind und waren, dass es ganz hervorragend gemalt ist, haben wir uns bei der Arbeit von Frau Xenia Hartok für den 1. Preis entschieden.


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